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Strategien für "Smarte Städte und Regionen"

  • Strategien für

Auf der Anwendungsebene entstehen neue branchenübergreifende Verbindungen. Von hoher gesellschaftlicher Relevanz sind dabei die Themen Energie, Verkehr, Gesundheit und Wohnen.

Im Energiesektor werden die Energieverbraucher auch in Hessen immer mehr auch zu Energieproduzenten und Energiespeicheranbietern und damit zum Bestandteil des Erzeuger- und Verteilsystems.

Im Verkehr verbessern die Bereitstellung und Veredelung von Echtzeitdaten die Mobilitätsoptionen der Menschen. Vernetzung und Abstimmung der Verkehrsträger erhöhen die Gewissheit für die Bürgerinnen und Bürger, ihre Wegstrecken zügig und ohne Verspätung mit öffentlichen oder geteilt genutzten Verkehrsmitteln bewältigen zu können. Die Einbringung individueller Daten der Verkehrsnutzer (z.B. über Smartphones oder Fahrzeugsensorik) bietet zusätzliche Möglichkeiten der Verkehrssteuerung.

Dies alles führt zu einer Verringerung des Individualverkehrs und der von ihm ausgehenden Schadstoffbelastung.

Im Bereich Wohnen und Leben bietet die flächendeckende Versorgung mit breitbandigen Internetanbindungen (NGA-Netze) eine Basis für die bessere Versorgung, Pflege und Betreuung der Menschen auch in ländlichen Gebieten. Altersgerechte Assistenzsysteme, Smart Home und Smart Living leisten einen Beitrag, um die Auswirkungen des demografischen Wandels und der Urbanisierung abzufedern.

Damit diese Technologien in der Fläche Verbreitung finden, müssen viele Akteure zusammenarbeiten.

Um dieses Zusammenwirken zu erreichen und die notwendigen Netzwerk- und Skaleneffekte zu erzielen, bedarf es regionaler Strategien der Kommunen. In Hessen werden bereits verschiedene Digitalisierungskonzepte mit unterschiedlichen Schwerpunkten entwickelt. Deren Ergebnisse bilden eine Grundlage für die Entwicklung weiterer Strategien für smarte Städte und Regionen in Hessen.

Smart-City-Strategien

In Städten und Metropolregionen bestehen vielfältige Potenziale, „Smart City“-Strategien umzusetzen und dabei gleichzeitig „Green City“-Ziele zu unterstützen. Beispiele hierfür sind Verkehrsleitsysteme, umweltsensitives und verkehrsabhängiges Verkehrsmanagement, intermodaler Verkehr, intelligente Gebäudetechnik, virtuelle dezentrale Stadt-Kraftwerke und die Vernetzung von Gebäuden und Energie systemen. Monitorsysteme, die auf die breite Datenbasis einer Stadt (Big Data) zurückgreifen, verfolgen die Fortschritte bei der Umsetzung der städtischen Ziele.

Verschiedene Kommunen in Hessen entwickeln und verwirklichen bereits solche Smart-City-Projekte.

Hierzu zählt z. B. das Konzept „Green Smart City Darmstadt“, das aus einer Zusammenarbeit zwischen der Stadt Darmstadt und dem House of IT entstanden ist.

Die Stadt Darmstadt zählt heute zu den Städten mit den besten Zukunftsaussichten in Deutschland. Mit seiner hohen Dichte an Forschungs- und Lehrinstituten sowie einer Vielzahl attraktiver Arbeitgeber am Standort erzielte Darmstadt 2015 den ersten Platz beim Großstädtevergleich „Zukunftsindex 2030“.

Die „Green-Smart-City-Darmstadt“-Strategie zielt darauf ab,

  • Projekte zur Bürgerbeteiligung und zu Dienstleistungen der Stadtverwaltung zu entwickeln, die die Transparenz von Verwaltungsprozessen erhöhen und
  • die Verfügbarkeit IT-basierter Services zur Energieeffizienz und zur innovativen (Elektro-)Mobilität zu erhöhen, die auch einen Mehrwert für die Stadtentwicklung erbringen.

Für Darmstadt, das sehr stark technologisch-wissenschaftlich geprägt ist und zugleich mit Bevölkerungswachstum und Flächenkonkurrenzen umzugehen hat, ist dieses Konzept besonders bedeutend. Weitere Kernthemen sind intermodale Mobilität, Gesundheit und Bildung sowie Industrie 4.0 und IT-Sicherheit.

Ein anderes Beispiel ist der „Masterplan Industrie“ der Stadt Frankfurt am Main. Frankfurt versteht kommunale Industriestandortpolitik als ressortübergreifende Querschnittsaufgabe einer vorausschauenden Stadtentwicklungspolitik. Mit einer vielfältigen, eng mit dem Dienstleistungssektor vernetzten Industrie und seiner zentralen Lage bietet Frankfurt ideale Voraussetzungen, die Zukunft der urbanen Industrie an führender Stelle mitzugestalten. Daher will Frankfurt besonders die Chancen von Digitalisierung und Industrie 4.0 aufgreifen. Für die langfristige Stärkung des Industriestandorts wurde ein „Masterplan Industrie“ in einem interdisziplinären mehrstufigen Prozess unter Mitwirkung zahlreicher Experten erarbeitet.

Im Fokus der digitalen Standortentwicklung stehen räumliche Gewerbeflächenentwicklung, digitale Infrastruktur, Energie, Logistik, Arbeit und Qualifizierung sowie Arbeitsplätze und Wertschöpfung der Zukunft.

Zu den Maßnahmen des Masterplans gehören u. a.

  • ein Planungsprozess zur Versorgung der Fläche mit digitaler Infrastruktur,
  • ein digitales Gewerbegebiet, wo Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 1 Gigabit pro Sekunde gewährleistet sind,
  • eine vorausschauende Ausstattung digitaler Energieinfrastruktur,
  • Logistik-Lösungen wie ein internet- /App-basierter Lkw-Lotsen-Routenplaner im Rhein-Main-Gebiet.

Darüber hinaus berücksichtigt der Masterplan Industrie Querschnittsthemen wie Fachkräftesicherung, Unterstützung von Innovation und Industrie 4.0, Infrastrukturausbau und Nachhaltigkeit. Damit will Frankfurt sich über seine Position als internationaler Finanzplatz und Logistikstandort hinaus als Standort für eine „Neue Industrie“ positionieren, die in einem ganzheitlichen Stadtentwicklungsprozess eingebunden ist.

Digitaler ländlicher Raum

Der ländliche Raum bietet hohe Lebensqualität, steht jedoch auch in Hessen vor großen Herausforderungen durch Abwanderungstendenzen und demografischen Wandel.

Mit Hilfe der Digitalisierung werden die ländlichen Regionen ihre Potenziale in Zukunft jedoch besser ausschöpfen können. Wichtige Entwicklungen sind hier:

  • der Ausbau von Telearbeit auf Basis ausgebauter Breitbandnetze,
  • intelligente Einkaufsmöglichkeiten (z. B. Integration von Vor-Ort- und Online-Einkaufen) und gemeindeübergreifende Versorgungsketten für Güter und Postdienste,
  • eine digital vernetzte Gesundheitsversorgung und Pflege (Telemedizin, Vernetzung von Praxen und Kliniken, Pflege-Assistenzsysteme) und
  • intermodale Verkehrslösungen (ÖPNV, Sammeltaxen, Mitfahrbörsen). Ein erster Ansatz ist aus dem Pilotprojekt „Digitales Mittelhessen“ entstanden [1].

Dieses Projekt hat das Ziel, auf der Basis kommunaler NGA-Netze digitale regionale Lösungen und Mehrwertdienste für die Bürger und die Wirtschaft zu schaffen.

Das Land Hessen unterstützt hierfür eine Arbeitsgruppe unter der Federführung des Regionalmanagements Mittelhessen, die zusammen mit privaten Partnern digitale Dienste für den ländlichen Raum pilothaft initiieren und umsetzen soll. Die Schwerpunkte sind je nach Landkreis unterschiedlich.

Die entwickelten Mehrwertdienste sollen zunächst auf Landkreisebene erprobt und bei Erfolg für die gesamte Region Mittelhessen ausgerollt und überregional vermarktet werden. Ein ähnlicher Ansatz wird derzeit für das Projekt Gigabit Region Rheingau-Taunus-Kreis 2015–2025 geprüft. Auch hier sollen im Zuge des NGA-Ausbaus mögliche zusätzliche regionale Dienste für die Wirtschaft und für die Bürgerinnen und Bürger mitentwickelt bzw. mitinitiiert werden, um u. a. die notwendige Auslastung der neugebauten Netze frühzeitig zu sichern.

Die Digitalisierung der Landwirtschaft ist ein weiterer zentraler Baustein digitaler ländlicher Räume. Digitale Technologien verändern landwirtschaftliche Produktionsverfahren und -prozesse in der Innen- und Außenwirtschaft. Dort beispielsweise steigern teilflächenspezifische Bewirtschaftungssysteme und weitere neue Formen der Präzisionslandwirtschaft (precision farming) durch die Kombination von Sensorik, Robotik und Satellitentechnik die Produktivität und schonen die Umwelt.

Bei der Umsetzung dieser moderner Arbeitsverfahren steht man jedoch auch in Hessen vor Herausforderungen: z. B. benötigen vernetzte Systeme auf dem Land leistungsfähige Datennetze. Diese werden zum größeren Teil durch die Versorgungsauflagen der Digitalen Dividende II entstehen.

Automatisierung und Digitalisierung steigern jedoch auch die Anforderungen an die Berufsqualifikation. Damit verbunden sind neue Anforderungen an die Berufs- und Hochschulausbildung sowie die Weiterbildungsangebote im Bereich der Agrartechnik. Das Land begleitet diesen Prozess im Bildungswesen analog zu den weiteren Anwendungsfeld

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