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Rechenzentren

Hessen wird Standort der weltweit sichersten und energieeffizientesten Rechenzentren.

Rechenzentren sind neben den Breitbandnetzwerken die zentralen Infrastrukturen der digitalen Welt. Immer mehr Prozesse und Abläufe werden hierüber realisiert: Fertigungsprozesse werden zentral gesteuert, Investments durch Analysesysteme unterstützt und abgewickelt, und Kunden werden mit Hilfe von Customer Relationship Management-Lösungen betreut. Auch Forschung und Entwicklung wären ohne leistungsfähige Serversysteme nicht mehr vorstellbar.

Mit dem Siegeszug der Cloud-Dienste haben sich die früher Hardware-definierten Rechenzentren mit fest zugewiesenen Kapazitäten pro Kunde in Software-definierte, virtualisierte Datenzentren weitentwickelt, die Rechen- und Speicherkapazitäten flexibel auf Knopfdruck zur Verfügung stellen können. So haben sich Rechenzentren in den letzten zwei Jahrzehnten fast unbemerkt zum Herzstück der digitalen wie der industriellen Gesellschaft entwickelt. Die Entwicklungen in Richtung Internet der Dinge und Industrie 4.0 werden die Anforderungen an die Kapazitäten der Rechenzentren weiter erhöhen.

Auch für den privaten Verbraucher wird die Bedeutung von Rechenzentren immer sichtbarer. In Rechenzentren werden die Apps ausgeführt, die Smartphones so leistungsfähig machen. In Rechenzentren stehen die Server, über die online eingekauft wird, auf denen Fotos und Videos angesehen oder ausgetauscht werden, über Rechenzentren laufen Suchmaschinen, Wetterdienste und soziale Netzwerke.

Rechenzentren sind nicht nur durch ihre strategische Bedeutung für die digitale Wirtschaft ein Standortfaktor, sie haben auch eine hohe realwirtschaftliche Relevanz: Rund 200.000 Arbeitsplätze gibt es in Rechenzentren in Deutschland. Allein in Hessen sind 35.000 Menschen in dieser Branche beschäftigt.Hessische Unternehmen und ihre Fachkräfte bieten weltweit führende Kompetenz in der Planung, im Aufbau und im Betrieb von Rechenzentren.

In Hessen bestehen sehr gute Voraussetzungen, auch künftig der zentrale europäische Standort für leistungsfähige Rechenzentren zu sein. Sowohl die zuverlässige Stromversorgung wie auch hervorragende Internetanbindungen über den weltweit größten Internetknoten DE-CIX sind Stärken der Rhein-Main-Region. Daher ist Deutschland der Rechenzentrumsstandort Nummer eins in Europa und die Region Frankfurt/Rhein-Main führender Rechenzentrumsstandort in Deutschland – 40 Prozent der großen Rechenzentren sind hier ansässig.

Um diese Position zu sichern und weiter auszubauen und gleichzeitig ein Spitzenniveau bei Energieeffizienz und IT-Sicherheit zu gewährleisten, werden die Rahmenbedingungen in Hessen für existierende Rechenzentren ebenso wie für Neuansiedlungen von Rechenzentren insbesondere von weltweit führenden Cloud-Anbietern weiter optimiert und die Vernetzung der Akteure untereinander sowie mit der in Hessen ansässigen Forschung gestärkt.

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Maßnahmen zur Zielerreichung

Weitere Vernetzung der Rechenzentrumsbetreiber unterstützen

Um die Rechenzentrumsbranche in Hessen weiter zu vernetzen und die Rahmenbedingungen sowie die Innovationsförderung weiter zu verbessern, hat das Land die Innovationsallianz Rechenzentren in Hessen initiiert.

Die Innovationsallianz Rechenzentren identifiziert Innovationspotenziale, um die Stärken der Region auszubauen und sich bietende wirtschaftliche und ökologische Chancen zu ergreifen.

Zur Vorbereitung des Dialogs mit und innerhalb der Branche wurden im ersten Schritt drei Expertenworkshops durchgeführt.

Dabei hat sich ergeben, dass in dreierlei Hinsicht Handlungsbedarf besteht:

  • Zügige Verwaltungsprozesse für Neubauten und Modernisierung,
  • Spitzenstandards bei der Energieeffizienz und
  • Kooperation für IT-Sicherheit und Datenschutz.

Es ist beabsichtigt, die Innovationsallianz Rechenzentren in Hessen als Innovationsnetzwerk künftig in Eigenregie der Branche weiterzuführen.

Künftige Ziele dieses Netzwerks sind u. a. gemeinsam technologische Roadmaps für Rechenzentren in Hessen zu entwickeln, die Markt- und Wettbewerbssituation der hessischen Rechenzentren zu analysieren, um Maßnahmen zu ihrer weiteren Verbesserung abzuleiten, sowie die Positionierung und Öffentlichkeitsarbeit der Branche gemeinsam voranzutreiben.

Genehmigungsprozesse für Neubauten und Modernisierung von Rechenzentren beschleunigen

Schon heute wird die Ansiedelung von Rechenzentren in Hessen von den entsprechenden Behörden gezielt unterstützt. Dieser Standortvorteil wird weiter ausgebaut.

Rechenzentren sind eine dynamische Wachstumsbranche. Aktuell steigen die Investitionen in Rechenzentren jährlich um rund sieben Prozent. Aufgrund der stark steigenden Nachfrage nach Rechenleistung ist es notwendig, neue Kapazitäten möglichst ohne Zeitverzug aufzubauen. In den zurückliegenden Jahren hat sich in Hessen bereits eine große Zahl internationaler Cloud Anbieter
angesiedelt. Gemeinsam mit Kommunen und der regionalen Wirtschaft werden Instrumente geschaffen, damit Hessen auch zukünftig die erste Wahl ist, wenn Kapazitätserweiterungen oder neue
Rechenzentren in Deutschland und Europa geplant werden. Hierzu werden in enger Kooperation mit der Rechenzentrumsbranche Potenziale identifiziert, um die Genehmigungsprozesse weiter zu beschleunigen.

Energieeffiziente Rechenzentrums-Konzepte unterstützen

Best Practice-Ansätze in hessischen Rechenzentren werden vom Land unterstützt. Darüber hinaus setzt das Land bei Beschaffung und Betrieb der eigenen Rechenzentren auf Green-IT.

Auf Rechenzentren entfallen rund 1,8 Prozent des gesamten deutschen Stromverbrauchs [1]. Auch aufgrund der Energiekosten haben Rechenzentrumsbetreiber in den letzten Jahren eine Vielzahl von Maßnahmen zur Energieeinsparung ergriffen. Virtualisierungstechniken, Verbesserungen an der Hardware sowie effizientere Klimatisierung und Kühlung haben sich als sehr wirksam erwiesen. Allerdings bestehen noch Potenziale. Dies gilt insbesondere für den Einsatz von Wasserkühlung, für die Nutzung der eigenen Abwärme sowie für die Eigenstromerzeugung [2].

Im Rahmen der hessischen Innovationsallianz Rechenzentren werden daher Best Practices für innovative, energieeffiziente Rechenzentren identifiziert, dokumentiert und veröffentlicht. Darüber hinaus wird sich das Land dafür einsetzen, die Sichtbarkeit der Rechenzentrums-Branche auf Bundesebene zu erhöhen und die Rolle der Rechenzentren im Rahmen der Digitalen Agenden des Bundes und der EU stärker hervorzuheben.

Zudem geht das Land beim Thema energieeffiziente Rechenzentren mit gutem Beispiel voran:
Der IT-Dienstleister des Landes, die Hessische Zentrale für Datenverarbeitung (HZD), setzt auf einen ressourcenschonenden Betrieb ihrer Rechenzentren und auf Nachhaltigkeit wenn IT-Anlagen und Geräte beschafft bzw. entsorgt werden.

So bezieht die HZD grünen Strom und betreibt ein hauseigenes Blockkraftwerk. Außerdem erzielt
sie durch die Modernisierung und Virtualisierung von Servern deutliche Einsparungen beim Energieverbrauch und den CO2-Emissionen [3].

Forschung zu Rechenzentren vernetzen

Das Land stärkt die Rechenzentrumsforschung in Hessen durch Vernetzung und Unterstützung neuer Projekte.

Eine weitere Möglichkeit, Innovationen in den hessischen Rechenzentren zu fördern, stellt die stärkere Vernetzung mit den in Hessen angesiedelten Forschungseinrichtungen dar. Konkrete Ansätze bestehen zum Beispiel bei Fragen der Energieeffizienz, der IT-Sicherheit und des Datenschutzes.

Das GSI Helmholtz Zentrum in Darmstadt betreibt einen der weltweit energieeffizientesten Supercomputer, der immer wieder Spitzenplätze im weltweiten Ranking „Green500“ erreicht. Im Herbst 2015 ging mit dem „Green Cube“ das neue Rechenzentrum für das künftige internationale Beschleunigerzentrum „FAIR“ in Betrieb. Sein neuartiges Kühlkonzept reduziert die zur Kühlung benötigte Energie im Vergleich zu herkömmlichen Supercomputern erheblich.

Zudem befindet sich in Darmstadt mit dem „Center for Research in Security and Privacy“ (CRISP) eine der international wichtigsten Forschungseinrichtungen für IT-Sicherheit und Datenschutz.

Diese für Innovationen in Rechenzentren relevanten Forschungsbereiche werden in Zukunft verstärkt mit der Betreiberbranche in Hessen vernetzt. Dies geschieht sowohl über die bestehenden Konsortien, Netzwerke und Cluster, als auch über neue Zusammenschlüsse von Unternehmen und Forschungseinrichtungen.

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[1] Hintemann, R. & Fichter, K. (2013): Server und Rechenzentren in Deutschland im Jahr 2012.
www.borderstep.de/pdf/Kurzbericht_Rechenzentren_in_Deutschland_2012__09_04_2013.pdf

[2] Hintemann, R. & Clausen, J. (2014): Rechenzentren in Deutschland - Eine Studie zur Darstellung der wirtschaftlichen Bedeutung und der Wettbewerbssituation“ Im Auftrag des BITKOM - Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.

[3] Vgl.: https://hzd.hessen.de/betrieb-von-verfahren/umweltschutz-der-hzd

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Peter Knapp
Bereits jetzt ist Hessen einer der wichtigsten Rechenzentrums-Standorte in Europa. Insbesondere die dort gewährleistete Zuverlässigkeit und Datensicherheit sorgen dafür, dass der Standort seine Position in den nächsten Jahren weiter ausbauen wird.

Peter Knapp, Interxion