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Von Mega zu Giga

Bericht vom 8. Hessischen Breitbandgipfel

Das Ziel eines flächendeckenden schnellen Internets von 50 Mbit/s wird Hessen bis 2018 erreichen. Doch genügt das langfristig? Welche Strategie muss dann folgen? Diesen Fragen stellten sich die Akteure des Breitbandausbaus zum 8. Hessischen Breitbandgipfel am 7. Juni 2017.

Neue Breitbandziele

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir nannte autonomes Fahren als ein eindrucksvolles Beispiel für den digitalen Wandel. Die technologische Revolution wirke sich auf alle Lebensbereiche aus. Für die dazu erforderlichen Datenmengen bedürfe es einer leistungsstarken Infrastruktur: „Hier sind wir in Hessen auf einem guten Weg“, lobte Al-Wazir die Kommunen und anderen Akteure.

„Man darf sich jetzt aber nicht auf den Erfolgen ausruhen. Neben der bedarfsgerechten Versorgung geht es auch darum, den Weg in die Zukunft zu bereiten. Denn autonomes Fahren, Industrie 4.0 und andere Anwendungen brauchen noch höhere Bandbreiten. Wir müssen schon heute für die Gigabit-Gesellschaft planen“, so Al-Wazir. Deswegen werde Hessen bis zum Breitbandgipfel 2018 in einer Gigabit-Strategie den weiteren Ausbau skizzieren und die Ausbaubedingungen in einer Studie erkunden. Für eine noch bessere Vernetzung aller Beteiligten werde zudem die Gigabit-Allianz Hessen ins Leben gerufen.

Breitband verbindet

Ähnlich sah dies Dr. Tobias Miethaner, Leiter der Abteilung Digitale Gesellschaft im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI): „Vor allem in den dünn besiedelten Bereichen sehe ich den Staat in der Pflicht. Der Markt alleine kann die erforderlichen Investitionen nicht aufbringen.“

Bei einer Podiumsdiskussion – moderiert von Ernst-Christoph Stolper, Staatssekretär a.D., – ging es um die Frage, wo Hessen auf dem Weg zur Gigabit-Gesellschaft steht. Minister Al-Wazir betonte die enorme Leistung eines Flächenlandes wie Hessen im Vergleich zu dichtbesiedelten Regionen wie dem Ruhrgebiet. Dr. Miethaner sah vor allem bei der Aufgreifschwelle von 30 Mbit/s Handlungsbedarf. Reinald Krüger von der Europäischen Kommission pflichtete ihm bei: „Hier brauchen wir Unterstützung, beispielsweise durch entsprechende Briefe der Minister. Wir dürfen nicht bei 30 Mbit/s stehen bleiben.“ Dr. Michael Koch, Landrat des Landkreises Hersfeld-Rothenburg, forderte zudem Einzellösungen, beispielsweise für den Anschluss von Schulen.

Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e.V., plädierte für klare Regelungen für Unternehmen, damit Planungssicherheit herrsche: „Der Ausbau ist kein Selbstzweck, sondern muss am Ende vor allem der Wirtschaft dienen.“

Dr. Vesta von Bossel, Vorstandsbeauftragte für den Breitbandausbau der Deutschen Telekom, hob hervor, dass sich die Telekom für einen Technologiemix von Mobilfunk und Glasfaser engagiere. Dr. Wolf Osthaus, Mitglied der Geschäftsleitung der Unitymedia GmbH, erklärte, dass der Ausbau in Hessen zügig erfolgen und noch vor 2025 abgeschlossen sein soll.

Gigabit-Gesellschaft rückt in den Fokus

In Richtung Zukunft blickend betonte Johannes Pruchnow, Vorstandsbeauftragter für Breitbandkooperationen der Deutschen Telekom: „Es muss darum gehen, dass alle profitieren: TK-Unternehmen, Kooperationspartner, Bürger und Kommunen.“

Dr. Markus Pfuhl, Leiter Corporate Development der Viessmann AG, gab einen Einblick in die Gigabit-Economy aus Unternehmenssicht: „Im Heizungsbau kommen die wesentlichen Entwicklungen mittlerweile aus dem Softwarebereich. Hierfür brauchen wir stabile Bandbreiten, auch in ländlichen Regionen.“

Anschließend referierte Reinald Krüger von der Europäischen Kommission zu Investitionsanreizen. Regulierung sei keine Alleinlösung, sondern könne lediglich einen unterstützenden Beitrag leisten.

Den rechtlichen Rahmen erklärte Dr. Mirko Paschke vom Bundesverkehrsministerium: Durch das Digitale-Netz-Gesetz sei ein guter Rahmen für Vereinfachung und Kostensenkungen geschaffen. Dazu gehörten Vorschriften zu Glasfaserregelungen, Kostensenkungsmaßnahmen und Wegerechtsanpassungen.

Um die Infrastrukturlandkarte der Zukunft ging es im Vortrag von Dr. Iris Henseler-Unger, Geschäftsführerin der WIK GmbH. Der Gigabit-Netzausbau müsse als Teil einer größeren Wertschöpfungskette betrachtet werden, die starke gesamtwirtschaftliche Effekte hat: von einem höheren Bruttoinlandsprodukt bis hin zu positiven Beschäftigungseffekten.

Impulse für den Breitbandausbau der zweiten Stufe

Die Workshops am Nachmittag ergänzten und vertieften die besprochenen Themen. Jürgen Magull, Geschäftsführer des Bundesverband Breitbandkommunikation e.V., erläuterte den Stand der gemeinsamen Handelsplattform: „Das Potenzial ist groß, denn bisher sind lediglich 45 Prozent der Anschlüsse unserer Mitglieder vermarktet.“

Norbert Schuldt, Leiter des Referats Breitbandförderung/Finanzierung des BMVI, erklärte das Sonderprogramm Gewerbegebiete: „Förderprogramme erhöhen den Druck auf Unternehmen, da sie Kundenanteile zu verlieren drohen“, so Schuldt zu einem Zusatzeffekt der Förderung.

Stefanie Maifarth vom Hessischen Ministerium der Finanzen schloss sich mit einem Workshop zu den kommunalen Investitionsprogrammen KIP I und II an. Beide richten sich an finanzschwache Kommunen.

Simon Japs, Director Public Policy bei der Unitymedia GmbH, sprach anschließend zum volkswirtschaftlichen Nutzen des Breitbandausbaus. So habe man mit Investitionen von 2,2 Milliarden Euro rund 350.000 Haushalte in Deutschland angeschlossen. Dies führe beispielsweise zu rund 56 Millionen Euro an Preisvorteilen für die Nutzer.

Perspektiven von 5G und WLAN

Zur Leistungsfähigkeit und Entwicklungsperspektive von 5G referierte Karl-Heinz Laudan, Vice President Spectrum Policy im Bereich Group Public & Regulatory Affairs der Deutschen Telekom AG. Voraussetzungen für den Rollout seien entsprechende Frequenzen und eine ausreichende Glasfaseranbindung zumindest in jeder Straße. Cornel Pampu von der atene KOM GmbH ergänzte: „Neue Anwendungsfelder werden neue Geschäftsfelder schaffen. Das bedeutet wiederum, dass circa alle 80 Meter eine Basisstation benötigt wird.“

Christoph Rathenow, Partner Finance & Regulation bei PwC, ging auf das Thema WLAN ein: „Man könnte sagen, WLAN ist heutzutage ein Stück Lebensqualität.“ Passend dazu sprach anschließend Michael Dietzel, IT-Leiter der Stadt Fulda, zu offenen WLAN-Netzen: „Solange gewisse Spielregeln eingehalten werden, ist es wirklich weniger aufwändig, als man zunächst denkt“, so seine Einschätzung.

Viel erreicht und noch mehr vor

Anschließend berichtete Kathrin Laurier von der Breitband Nordhessen GmbH beispielhaft vom Ausbauprojekt in Nordhessen: „Wir haben viele Meilensteine erreicht, von der Finanzierung über die europaweiten Ausschreibungen bis hin zu den gesicherten Fördermitteln. Mit den Spatenstichen in allen fünf Landkreisen ist nun überall der Startschuss erfolgt.“

Wolfram Koch, Leiter des Breitbandbüros Hessen, zog mit Moderator Ernst-Christoph Stolper ein Fazit des 8. Breitbandgipfels: „Im Jahr 2010 haben wir mit dem FTTC-Ausbau begonnen. Jetzt ist der Ausbau fast abgeschlossen. Deswegen freut es mich, dass bei den relevanten Aspekten ein Konsens besteht. Darauf wollen wir in Zukunft aufbauen.“

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier:

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