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Kultur- und Kreativwirtschaft

Hessen schafft die Rahmenbedingungen für digitale Innovationen in der Kultur- und Kreativwirtschaft, damit sie auch künftig Impulse für die Gesamtwirtschaft geben kann.
  • Kultur- und Kreativwirtschaft

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein Treiber digitaler Innovationen. Eine dynamische und eng mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anwendungsfeldern vernetzte Kultur- und Kreativbranche ist ein wichtiger Faktor für die Gesamtentwicklung einer Region. Kommunikation und Kunst, Presse, Buchverlage, Rundfunk und Werbung – sie alle tragen zur Identität und Profilierung der Regionen bei.

Zur Kultur- und Kreativwirtschaft zählen elf Teilmärkte, die sich alle mit Schaffung, Produktion und Verbreitung von Inhalten befassen. In Bezug auf Anzahl und Umsatz der Unternehmen bilden in Hessen die Teilmärkte Designwirtschaft, Architektur, Software und Games, die Werbewirtschaft sowie der Pressemarkt Schwerpunkte.

Hessen unterstützt die Rahmenbedingungen für Wachstum und Vernetzung dieser Teilmärkte durch vielfältige Maßnahmen wie Cluster-Initiativen und Branchenevents.

 

Abb. 4 Anzahl der Unternehmen in den Teilsegmenten der Kreativwirtschaft in Hessen (Stand 2013)

 Kultur- und Kreativwirtschaft

 

[Quelle: Kultur- und Kreativwirtschaft in Hessen Datenreport 2015]

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Maßnahmen zur Zielerreichung:

Ausbau und Vernetzung von Zentren für die digitale Kultur- und Kreativwirtschaft unterstützen

Gründerzentren und Vernetzungsplattformen schaffen ein attraktives Ökosystem für die Kreativwirtschaftsbranche in Hessen. Hessen setzt auf eine stärkere räumliche Konzentration der Kreativbranche und auf die Unterstützung kommunikativer Netzwerke. So entsteht eine Struktur für den unmittelbaren Austausch von Unternehmen, Forschung, Investoren und Kunden.

Kreativunternehmen in der Gründungsphase benötigen vor allem Startkapital. Sie brauchen aber
auch Beratung (z.B. bei Vertrieb oder Marketing) und günstige Arbeitsräume mit einer leistungs -
fähigen Infrastruktur.

Vernetzte Gründerzentren sind ein wichtiges Instrument zur Unterstützung von Kreativunternehmen in der Konzept- und Entwicklungsphase. Das Land Hessen fördert die Ausgründung von Unternehmen aus der universitären Forschung. Viele Hochschulen in Hessen bieten Strukturen, die es Startups ermöglichen, ihre Unternehmen vom Campus aus zu entwickeln und in die Wachstumsphase zu überführen.

Da jedoch gerade im Bereich der digitalen Kultur- und Kreativwirtschaft viele Unternehmen außerhalb des universitären Umfelds entstehen, investiert das Land Hessen in Gründerzentren wie etwa den Science Park Kassel, der für diese Branche optimale Unterstützungsangebote bereithält. Dazu zählen zum einen günstige und gut ausgestattete Arbeitsplätze (sog. „Co-Working-Spaces“), zum anderen Beratung und Coaching z. B. bei der Beantragung von Fördermitteln oder der Suche nach Kapitalgebern.

Ein wichtiger nächster Schritt ist die Einbindung der Gründerzentren in Netzwerke. Hierzu zählen
neben Hochschulen, Verbänden und staatlichen Stellen vor allem andere Kreativ-Unternehmen aus
der Region sowie Kapitalgeber. Besondere Synergieeffekte ergeben sich durch die Bündelung innovativer Kräfte aus unterschiedlichen Kultur- und Kreativwirtschaftsbereichen. Begegnungsräume und gemeinsame Informations- und Kontaktveranstaltungen fördern den branchenübergreifenden Austausch. Sie setzen Impulse für die Weiterentwicklung der eigenen Produkte und Dienstleistungen. Zudem ist die Präsenz gleichartiger Unternehmen ein wichtiges Kriterium für Neuansiedlungen.

Das Land Hessen wird in Kooperation mit etablierten Zentren der Kultur- und Kreativwirtschaft die
Entwicklung vernetzter Gründerzentren weiter vorantreiben.


Bestehende Angebote und Netzwerke für Gründer im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft
werden integriert. Dazu zählen u.a.

  • die hessischen Kreativnetzwerke,
  •  die hessischen Hochschulen,
  • die Angebote der kommunalen und regionalen Wirtschaftsfördereinrichtungen,
    Informationsplattformen wie das Branchenportal kreativwirtschaft-hessen.de oder
  • das hessische Existenzgründungsportal (www.existenzgruendung-hessen.de).

Konzepte werden entwickelt, die die Vernetzung dieser Zentren in der polyzentrischen Region Hessen verbessern und räumliche Cluster weiterentwickeln.

Kreativstandort Hessen durch digitale Leitveranstaltungen stärken

Das Land Hessen wird Branchenevents und etablierte Leitmessen für die Profilierung des Landes als attraktiven Standort der digitalen Kultur- und Kreativwirtschaft nutzen.

In Hessen haben sich viele überregional bedeutende Veranstaltungen in denjenigen Bereichen der Kultur- und Kreativwirtschaft etabliert, die entweder einen starken Digitalisierungsprozess durchlaufen oder auf digitale Produkte und Dienstleistungen ausgerichtet sind. Hierzu zählen Leitmessen wie die Musikmesse und die Buchmesse sowie innovative Veranstaltungen wie das Digitalkunstfestival Node, die Design-Konferenz SEE, der European Innovative Games Award (E.I.G.A) und die Gamedays.

Das Land wird bestehende Veranstaltungsformate nutzen, um die digitale Kultur- und Kreativbranche aus Hessen prominent zu präsentieren. Vor allem digitale Lösungen aus der Kultur- und Kreativwirtschaftsbranche in Hessen werden kommuniziert.

Hessen profiliert sich als attraktiver Standort für Kulturschaffende und Kreativwirtschaft und nutzt dafür die überregionale und internationale Strahlkraft verschiedener Veranstaltungen. Zugleich stärkt die strategische Kommunikation des Landes auch die national und international ausgerichteten Veranstaltungen in Hessen.

Digitale Technologien für kreative Produkte und Dienstleistungen nutzen

Das Land Hessen fördert den Transfer zwischen Kultur- und Kreativwirtschaft, Industrie, Handel, Handwerk und Dienstleistung. Ziel ist es, zu zeigen, wie sich Kundenbedürfnisse mittels digitaler Produkte und Dienstleistungen bedienen lassen. Die Zusammenarbeit innerhalb der Kreativbranchen ist dabei sehr effizient. Clusterbildung in Bereichen wie Computergames und Design verbessert den Wissenstransfer.

Digitalisierung und Vernetzung werden bislang vornehmlich genutzt, um Prozesse effizienter zu gestalten. Sie bietet jedoch auch das Potenzial, neue Antworten auf die Anforderungen des Marktes an Funktionsweisen und Design von Produkten und Dienstleistungen zu entwickeln und damit die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Diese „Smart Services“ entwickeln mit Hilfe von Daten und Vernetzung unter Beachtung des Datenschutzes neue Formen der Kundenbeziehung. Die Kunden als Treiber der Angebotsentwicklung verändern wiederum die Perspektive der Anbieter vom Produkt- zum Servicedenken.

Damit dieser Perspektivenwechsel gelingt, müssen etablierte Planungs- und Entwicklungsprozesse von der Produktgestaltung bis zu Vermarktung und Kundendialog neu konzipiert werden. Die Kultur- und Kreativwirtschaft liefert hier wichtige Impulse sowohl für das produzierende Gewerbe als auch für Handel, Handwerk, Dienstleistungen und Finanzwirtschaft.

Um die hessische Wirtschaft zu stärken, wird das Land Transferinitiativen unterstützen, die auf neue Planungs- und Entwicklungsprozesse zielen. Das Land Hessen fördert spezifische Beratungsangebote zur Nutzung kreativer und digitaler Kompetenzen für kleine und mittelständische Unternehmen.

Hessen baut dabei auf den Stärken der hessischen Kreativbranchen auf:

In Hessen und insbesondere im Rhein-Main-Gebiet ist ein starkes Cluster aus Computerspiel Unternehmen entstanden. Das Land Hessen unterstützt die Games-Branche seit Jahren mit vielfältigen Aktivitäten. Mit ihren Innovationen liefern die Spiele-Entwickler Impulse auch für andere Wirtschaftszweige wie etwa den Gesundheitsbereich, das Bildungswesen und das Marketing. Zu den Förderaktivitäten zählen der European Innovative Games Award (E.I.G.A.), der vom Land Hessen unterstützte Gemeinschaftsstand auf der Spielemesse gamescom und die Veranstaltungsreihen GamePlaces und GameDays.

Neue kreative Impulse erfährt die hessische Wirtschaft auch durch die additive Fertigung mit Hilfe von 3D-Druckverfahren. Die neuen Technologien ermöglichen es, Design-Entwürfe rasch zu verwirklichen. Das Land Hessen unterstützt über das Projekt „Fabbing & Founding“ das FabLab Darmstadt. Das FabLab in den Räumen des Fraunhofer IGD bietet hessischen Gründern und Unternehmern den Zugang zu 3D-Druckern, 3D-Scannern und anderen digitalen Produktionswerkzeugen, um aus Ideen schnell marktfähige Produkte zu machen (vgl. hierzu ausführlich Kapitel Bildung).

Sichtbarkeit der hessischen Kultur verbessern und Zugang erleichtern

Mit Hilfe der Digitalisierung erleichtern wir den Bürgerinnen und Bürgern der Zugang zu Kunst und Kultur.

Hessen besitzt eine vitale Kunst- und Kulturszene. Mehr als 400 Museen dokumentieren Kunst- und Kulturgeschichte, Naturwissenschaften sowie Technik- und Industriegeschichte; auch die 400 Bibliotheken stehen für ein Kulturangebot, das alle Bevölkerungskreise in Stadt und Land erreicht. Zudem besitzt Hessen ein reiches Erbe von Kultur- und Naturdenkmälern. Davon zeugen zwei UNESCOWeltnaturerbe, vier Weltkulturerbe und sechs Weltdokumentenerbe.

Daraus erwächst die Verpflichtung, kulturelle Zukunftsprojekte zu unterstützen und Experimente zu ermöglichen. So fördert das Land die Weltkunstausstellung documenta, die alle fünf Jahre in Kassel stattfindet.

Digitale Anwendungen können es erleichtern, die Werke und Orte der Kultur aufzufinden und zu erleben. Dies reicht von der Weiterentwicklung der Online-Auftritte staatlicher Kultureinrichtungen über die stärkere Vernetzung der Akteure bis hin zur Digitalisierung des kulturellen Erbes mit Hilfe von 3D-Scan-Verfahren.

In den vergangenen Jahren haben viele Bibliotheken und Staatsarchive in Hessen bereits Projekte zur digitalen Präsentation von Kulturobjekten initiiert. Im Jahr 2012 wurde das Cloud Media-Projekt „Kultur und Bildung live und mobil per Cloud“ ins Leben gerufen. Ziel des Gesamtprojekts war die Entwicklung und Implementierung einer Cloud-basierten Plattform, die den mobilen Zugriff auf Informationen und Services über Kunstobjekte des Städel Museums und Katalogdaten der Universitätsund Landesbibliothek Darmstadt ermöglicht. Über Smartphones und Tablets können Besucher vertiefende Informationen und inhaltliche Verknüpfungen zwischen Exponaten und multimedialen Inhalten abrufen.

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Prof. Wolfgang Henseler
Die Rhein-Main-Region bietet das Potenzial sich zu einem attraktiven Standort für die Kultur- und Kreativwirtschaft sowie die Start-Up Szene zu entwickeln. Durch die Vernetzung mit anderen Branchen ergeben sich für alle neuen und etablierten Unternehmen immense wirtschaftliche Perspektiven.

Prof. Wolfgang Henseler, Sensory Minds