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Handel, Finanzen, Dienstleistungen und Handwerk

Hessen unterstützt die Digitalisierung von Handel, Dienstleistungen, Finanzbranche und Handwerk, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
  • Handel, Finanzen, Dienstleistungen und Handwerk

Der Verkauf von Konsumgütern und Dienstleistungen an Endkunden ist durch den Siegeszug des E-Commerce in vielen Bereichen bereits hochdigitalisiert. Der Online-Vertrieb und die damit verbundene Produkt- und Preistransparenz haben den Wettbewerb für den stationären Einzelhandel, aber auch für die Dienstleistungs- und Finanzwirtschaft verschärft.

Etablierte Anbieter aus dem stationären Vertrieb können jedoch die Vorteile beider Welten nutzen und den Kundenservice vor Ort mit Online-Diensten verbinden. Zu den jüngsten Beispielen zählen Online-Lieferservices ortsnaher Lebensmittelketten auch für verderbliche Lebensmittel. Zudem entstehen für immer mehr Dienstleistungen Online-Plattformen, die zwischen Nachfrage und Angebot gegen Provision vermitteln (Plattformökonomie). Dies steigert auch den Umsatz lokaler Anbieter.

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Ein weiterer Trend sind individualisierte Konsumprodukte. Zentrales Beispiel ist die Bekleidungsindustrie, die Kleidungsstücke nach individuellen, digital erfassten Körpermaßen produziert. Auch darin liegt eine Chance für das stationäre Filialgeschäft.

In der Finanzbranche, die mit dem Online-Banking einer der Vorreiter der Digitalisierung war, nimmt der Prozess in jüngerer Zeit nochmals an Intensität zu. Neben dem reinen Zahlungsverkehr werden nun auch beratungsintensive Leistungen wie das Kredit- oder Versicherungsgeschäft von reinen Online-Unternehmen angeboten. Hier steht die etablierte Finanzbranche vor der Herausforderung, das kreative Potenzial der sog. „FinTech“-Unternehmen für sich nutzbar zu machen.

Die Digitalisierung der Handwerksbetriebe verläuft hingegen aufgrund der überwiegend kleinbetrieblichen Strukturen sehr unterschiedlich. Digitalisierungsgrad und spezifische Kunden Anforderungen sind bislang sehr heterogen. Während viele Betriebe noch Nachholbedarf in Sachen betriebswirtschaftliche Software-Lösungen, digitales Kundenmanagement oder der eigenen Online-Präsenz haben, gehen andere bereits erste Schritte in Richtung durchgängig vernetzter Prozesse bei der Produktion von Werkstücken oder der Handwerksleistung vor Ort.

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Maßnahmen zur Zielerreichung:

Beratungsangebote für kleinere und mittlere Unternehmen intensivieren

Das Land wird die Digitalisierungsprozesse bei kleinen und mittleren hessischen Handels- und Dienstleistungsfirmen unterstützen. Hierzu zählen vor allem Beratungs- und Transfermaßnahmen zu IT-Ausstattung, Online-Handel und Geschäftsmodellentwicklung.

Viele kleine Handels- und Dienstleistungsunternehmen weisen einen geringen Digitalisierungsgrad auf. Ihnen droht, den Anschluss an die Entwicklung der Technik und des Marktes zu verpassen.

Das Land Hessen unterstützt im Rahmen der Technologielinie Hessen-IT schon seit Jahren kleine und mittlere Unternehmen im E-Commerce. Dazu zählen Veröffentlichungen und Foren zu Themen wie Internet-Marketing, Web 2.0 und Internet-Recht.

Das Land wird diese Aktivitäten unter anderem über die Technologielinie Hessen-IT weiter unterstützen und dabei neben Leitfäden, Kongressen und Veranstaltungen auch auf dezentrale und flexible Angebote setzen.

Zudem wird das Beratungsangebot um Best-Practice-Beispiele im Bereich der Geschäfts- und Servicemodelle ergänzt. Hierbei werden Wege gewiesen, wie man als kleiner Anbieter die lokale Position nutzen und die Wertschöpfung vertiefen kann, um Umsatzeinbußen durch den konkurrierenden Onlinehandel zu kompensieren.

Potenziale der FinTech-Branche für Hessen nutzbar machen

Das Land wird die Ansiedlung von Finanztechnologie-Unternehmen (FinTechs) fördern. Dies umfasst sowohl Start-ups aus dem Finanzbereich als auch länger bestehende, hoch-innovative Unternehmen mit „FinTech“-Entwicklungen. Die Maßnahmen dazu werden gemeinsam mit der Stadt Frankfurt, den Universitäten, der Finanzwirtschaft, Inkubatoren und Geldgebern erarbeitet und umgesetzt.

Ziel ist es, den Finanzplatz Frankfurt als einen der wichtigsten Standorte für IT-getriebene Start-ups im Finanzbereich, sogenannte „FinTechs“, zu positionieren. Die Ansiedlung weiterer FinTechs in Frankfurt trägt dazu bei, die Innovationskraft der etablierten Akteure zu stärken. Gleichzeitig dient der Ausbau des FinTech-Standortes der Zukunftssicherung des Finanzplatzes und bietet die Möglichkeit, Trends zu gestalten.

Hessen wird gemeinsam mit der Stadt Frankfurt, den Universitäten, der Finanzwirtschaft, Inkubatoren und Geldgebern Maßnahmen erarbeiten, um Frankfurt als führenden FinTech-Standort Europas zu positionieren.

Die Einrichtung und Etablierung eines zentralen Ortes (FinTech-Zentrum), der FinTechs u. a. günstigen und attraktiven Büroraum, Möglichkeiten zur Vernetzung und zum Austausch sowie Zugang zu Beratung und Investoren bietet, wird von Akteuren als zentrale Maßnahme betrachtet. Weitere Ansatzpunkte sind eine deutlich stärkere Bewerbung der Vorteile, die die Region bereits heute bietet, die zielgerichtete Optimierung dieser Vorteile, die Verbesserung der Finanzierung, die zusätzliche Bereitstellung preiswerter Räume sowie die Förderung unternehmerischen Denkens an Universitäten über Ideen- und Start-up-Wettbewerbe.

Bei der Erarbeitung von Maßnahmen werden auch erfolgreiche internationale Beispiele für Technologieansiedlungen zugrunde gelegt.

Rahmenbedingungen für die Digitalisierung in Hessen verbessern

Das Land schafft die Rahmenbedingungen für die Digitalisierung der hessischen Wirtschaft in Handel, Dienstleistung und Finanzwirtschaft und verbessert diese kontinuierlich. Hierzu zählen vor allem Breitbandausbau, Bildung und Datenschutz.

Breitbandausbau: Hessen wird seine Breitbandstrategie darauf ausrichten, dass ultraschnelle und echtzeitfähige Breitbandnetze für die Finanzwirtschaft sowie für Handel und Dienstleistungen und viele andere Anwendungsbereiche bedarfsgerecht und rechtzeitig verfügbar sind.

Bildung: Das Land wird die Integration von Digitalisierungswissen in Schule, Ausbildung und Studium fördern. Hier finden sich bereits vielfältige Ansätze in Hessen. So werden an diversen Hochschulen interdisziplinäre Studiengänge mit Betriebswirtschafts- und Informatik-Anteilen angeboten. An der Hochschule RheinMain wird aktuell ein Studiengang für BWL 4.0 konzipiert, der auch das Erarbeiten disruptiver Geschäfts- und Servicemodelle zum Inhalt haben wird. Für die Finanzwirtschaft wird im Rahmen einer FinTech-Initiative insbesondere eine Stärkung des unternehmerischen Denkens im Rahmen der Hochschulausbildung gefördert. Ziel ist auch eine stärkere Integration des Themas Onlinehandel in die Ausbildung der Einzelhandelskaufmänner / -frauen. Hessen setzt sich auf Bundesebene dafür ein, dass die Ausbildungsverordnung zum Einzelhandelskaufmann/ frau in diese Richtung aktualisiert wird.

IT-Sicherheit und Datenschutz: Datenbasierte Geschäftsmodelle zählen zu den großen Treibern der Digitalisierung. Vielfach bestehen jedoch Unsicherheiten hinsichtlich der Verwertungsmöglichkeiten von Kunden- und Personendaten. Besonders herausfordernd ist, dass einerseits der deutsche Datenschutz hohe Standards setzt, gleichzeitig aber große Unklarheiten hinsichtlich neuer EU-Regelungen bestehen. Das Land Hessen wird hier über Best-Practice-Modelle und Informationsmaterialien Unsicherheiten abbauen und die Möglichkeiten einer datenschutzkonformen Nutzung aufzeigen. Erste Maßnahmen zur Unterstützung der Unternehmen sind mit dem Leitfaden „Vertraulichkeitsschutz durch Verschlüsselung“ bereits erfolgreich umgesetzt worden [1].

Kompetenzen und Rahmenbedingungen der Tourismusbranche verbessern

Das Land unterstützt die hessische Tourismusbranche darin, die Chancen der Digitalisierung optimal zu nutzen. Hierzu zählen die Schaffung von Wettbewerbsgleichheit durch flächendeckende Breitbandnetze sowie die Förderung der digitalen Kompetenzen der Betriebe.

Der Konkurrenzdruck nimmt im Tourismus zu. Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit müssen zum Beispiel alle Unterkunftsbetriebe (Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen) in die Lage versetzt werden, ihren Gästen einen schnellen Internetzugang zu gewähren. Dies ist auch Voraussetzung, um die Online-Aktivitäten der Branche flächendeckend zu verbessern. Das Programm des Landes Hessen zur flächendeckenden Versorgung mit NGA-Breitbandanschlüssen sowie zum Ausbau der ultraschnellen Breitbandnetze ermöglicht dies auch für Betriebe im ländlichen Raum.

In Bezug auf die digitalen Kompetenzen gilt, dass die Branche durch die Vielzahl von Buchungsportalen bereits hochgradig digitalisiert ist. Im Dialog mit der Branche wird Hessen prüfen, inwieweit Tourismusbetriebe bei E-Commerce, Social-Media-Marketing oder IT-Sicherheit Unterstützung benötigen, welche Angebote existieren und ob zusätzliche Beratungsleistungen und Austauschplattformen notwendig sind.

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[1] Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung (Hrsg.) (2015): „Vertraulichkeitsschutz durch Verschlüsselung - Strategien und Lösungen für Unternehmen“, online abrufbar unter: www.hessen-it.de/dynasite.cfm?dsmid=13688&type=1

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Michael Volkmer
Mit dem Onlineshop Kiezkaufhaus, einem Zusammenschluss von Fachgeschäften in Wiesbaden, geht der lokale Einzelhandel dort neue Wege und verbindet Service vor Ort mit den Möglichkeiten des E-Commerce – und das unter Aspekten der Nachhaltigkeit. Das ist gut für die lokale Wirtschaft, gut für die Umwelt und auch gut für den Kunden.

Michael Volkmer, Kiezkaufhaus Wiesbaden (Foto © Rui Camilo)

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Birgit Storz
Mit unserem Eventformat „Between the Towers“ unterstützen wir den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen FinTechs, etablierten Banken und Investoren und tragen so zum Aufbau eines FinTech-Ökosystems in Frankfurt und darüber hinaus bei.

Birgit Storz, Founder und Geschäfts führerin des main incubator