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Gesundheit

Hessen erschließt die Potenziale der Digitalisierung für das Gesundheitssystem. Telemedizin und E-Health ermöglichen eine bessere und wohnortnahe Versorgung. Hessen wird ein führendes Innovationszentrum der Gesundheitswirtschaft.
  • Gesundheit

Gesundheit ist das wichtigste Gut des Menschen. Ihr Erhalt wird für den Einzelnen mit zunehmendem Alter immer kostbarer und gesundheitsökonomisch immer aufwendiger. In Anbetracht der demografischen Entwicklung – eines größeren gesellschaftlichen Anteils älterer Menschen und gleichzeitig steigender Lebenserwartung – nimmt künftig die Bedeutung der Gesundheitsversorgung für viele Menschen noch zu. Schon heute bildet das Gesundheitswesen einen zentralen Wirtschafts- und Beschäftigungssektor in Hessen. Es trägt rund 10 Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung bei und beschäftigt rund 396.000 Menschen. Jeder neunte erwerbstätige Hesse ist im Gesundheits- und Sozialwesen tätig – ein Beschäftigungswachstum von 2008 bis 2013 um 13,4 Prozent. In der Gesundheitsindustrie ist die Stärke sogar noch ausgeprägter. Mit 11,8 Milliarden Euro erwirtschaften hessische Unternehmen hier 27 Prozent des deutschen Gesamtumsatzes und stellen jeden fünften Arbeitsplatz der Branche. Die Exportrate hessischer Pharmaprodukte beträgt 70 Prozent. Gemessen am Umsatz, ist Hessen Deutschlands wichtigster Pharmastandort. Die Demografie und die Digitalisierung machen die Gesundheitswirtschaft weltweit zu einem Motor für Wachstum und Beschäftigung.

Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bieten enorme Chancen, die Qualität und Effizienz des Gesundheitswesens zu verbessern. Sie unterstützen die Vorsorge, Diagnose, Therapie, Nachsorge und Rehabilitation im Gesundheitswesen und schaffen in Behandlung (u. a. ambulant, präklinisch, intensivmedizinisch, stationär), Pflege und im Alltagsumfeld neuartige Möglichkeiten medizinischer Information, Kommunikation und Kooperation. Auf Basis der künftigen Telematik-Infrastruktur wird bundesweit eine sichere sektorenübergreifende digitale Kommunikation zwischen den Akteuren des Gesundheitssystems entstehen – zwischen Ärzten, Krankenhäusern, Apotheken, Krankenkassen, Pflegezentren, Patienten und vielen anderen. Die digitale und verschlüsselte Weitergabe von z. B. Stamm-, Vital-, Befundungs- und Medikationsdaten führt zu mehr Daten- und Versorgungssicherheit gegenüber der gegenwärtig verbreiteten Papier- und Fax-Kommunikation. Sie vermindert Informationsdefizite, Versorgungsbrüche, Verzögerungen und Transportkosten. Es ist das Ziel, die digitalen Technologien zur Verbesserung der Patientensicherheit, der Qualitätssicherung und der Therapietreue sowie zur Effizienzsteigerung und Kostenvermeidung zu nutzen.

Schon heute können Patienten zum Teil von ergänzenden persönlichen Informations- und hoch - wertigen medizinischen Behandlungs- und Betreuungsangeboten profitieren – flächendeckend und wohnortnah auch in versorgungsschwachen ländlichen Räumen. Mittelfristig werden sie auch Zugriff auf ihre eigenen Gesundheitsdaten erhalten. Ältere Menschen können über Telemedizin und Telemonitoring engmaschig routinemäßig zu Hause versorgt werden. Das spart Anfahrtswege und -zeiten, und es ermöglicht ein längeres autonomes und/oder betreutes Wohnen und Leben daheim. Dies steigert sowohl die gesundheitliche Sicherheit als auch die Lebensqualität. Ärzte und Kliniken können frühzeitige, präzise und umfassende Informationen über den Patienten erhalten, bei Untersuchungen und Eingriffen Experten zuschalten und ihr Spektrum medizinischer Anwendungen und therapeutischen Kontaktformen erweitern. Für Krankenkassen rechnen sich Telemedizin und E-Health durch präventionsbezogene Aktivitäten, weniger Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte, kürzere Genesungszeiten, höhere Therapieerfolge und vieles mehr.

Die Erschließung dieser und weiterer Potenziale wird das hessische Gesundheitswesen weiter entwickeln und verbessern. Im Gesundheitswesen der Zukunft steht der Arzt weiter im Zentrum der gesundheitlichen Versorgung. Das Arzt-Patient-Verhältnis wird durch ergänzende digitale Kommunikationsformate (z. B. Online-Sprechstunde) vertieft. Dem Arzt stehen weitere, IKT unterstützte medizinische Diagnose- und Heilverfahren zur Verfügung. In der Forschung ermöglicht die Analyse großer anonymer Datenmengen neue medizinische Erkenntnisse. Raum- und zeitunabhängige Expertenkonsultationen führen zur Bildung von medizinischen Kompetenzzentren, sodass Spezialisten wissen auch in abgelegenen Orten genutzt werden kann. Mit Blick auf den demografischen Wandel ist das vor allem für ländliche Regionen eine große Chance – denn hier steht einem Mehr an älteren Patienten ein Weniger an – zunehmend auch älteren –, Haus- und Fachärzten gegenüber. Angesichts der demografischen Entwicklung steht das Gesundheitswesen besonders in ländlichen Regionen vor substanziellen Herausforderungen. Digitale Technologien können dabei zu Lösungen beitragen.

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Maßnahmen zur Zielerreichung:

„E-Health-Initiative Hessen“ einführen

Das Land Hessen strebt eine „E-Health-Initiative Hessen“ an, um die föderale Zusammenarbeit zu stärken.

Über die bestehenden Initiativen zur Stärkung der sektorenübergreifenden Kooperation hinaus – u. a. den „Hessischen Gesundheitspakt 2.0“ und die „Bildung regionaler Gesundheitsnetze“ – plant die Landesregierung eine „E-Health-Initiative Hessen“. Diese strebt bundesrechtliche Regelungen zum nachhaltigen Auf- und Ausbau der Telematik-Infrastruktur an, welche als zentrale bundesweite Kommunikationsplattform im Gesundheitswesen eingeführt werden soll. Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) und das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung (HMWEVL) werden beauftragt, die föderale Zusammenarbeit zu stärken. Das Ziel der länderübergreifenden Zusammenarbeit sollte darin bestehen, gemeinsam

Eckpunkte für die Weiterentwicklung des Bundesrechts zur Nutzung von E-Health-Anwendungen abzustimmen und neue elektronische Verfahren für eine bundesrechtliche Standardisierung, insbesondere für das Krankenhaus-Entlassungsmanagement, vorzubereiten, um das Potenzial digitaler Technologien für weitere Entwicklungen in der Gesundheitsversorgung, -vorsorge und
-bildung sowie in der Gesundheitswirtschaft und -wissenschaft zu nutzen.

Das HMSI und das HMWEVL setzen ihre jeweiligen Zuständigkeiten mit angemessener Einbindung anderer Ressorts partnerschaftlich um.

Kompetenzzentrum für Telemedizin und E-Health aufbauen

Das Land Hessen wird ein Kompetenzzentrum einrichten, um modellhafte Ansätze und Erfolge zu kommunizieren, die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung und -wirtschaft in Hessen voranzutreiben und den Standort Hessen weiterzuentwickeln und zu profilieren.

Im Rahmen der „E-Health-Initiative Hessen“ soll auf Landesebene ein Informations- und Kommunikationszentrum für Telemedizin und E-Health implementiert werden. Seine Aufgabe ist es, durch Themen broschüren, Transferveranstaltungen und Internetangebote den Austausch über Entwicklungs- und Umsetzungsansätze Erfolge und Herausforderungen zu fördern. Dies soll auch die Akzeptanz der neuen Möglichkeiten fördern. Zudem begleitet und unterstützt das Zentrum die Aktivitäten des Landes und bildet eine strategische und operative Schnittstelle zu Akteuren und Einrichtungen in Hessen und darüber hinaus.

Das Kompetenzzentrum wird eng mit der „Servicestelle Regionale Gesundheitsnetze“ des HMSI, den neun Regionalen Gesundheitsnetzen und weiteren Initiativen in Hessen zusammenarbeiten, um die regionalen Bedarfe und Dynamiken aufzunehmen sowie Nachhaltigkeit und Transfer herzustellen. Das Land Hessen hat neun Modellregionen ausgewählt, in denen innovative Lösungen für die Zunahme chronischer und mehrfacher Erkrankungen in einer älter werdenden Gesellschaft erprobt werden. Im Vordergrund steht dabei ein verstärktes interdisziplinäres Zusammenwirken der Gesundheits- und Pflegeberufe. Der dezentrale Ansatz der Gesundheitsnetze ergibt sich aus den regional unterschiedlichen Entwicklungen der Demografie. In den Modellprojekten werden intra- und intersektorale Kommunikation sowie telemedizinische und E-Health-Anwendungen verstärkt an Bedeutung gewinnen.

Eine wesentliche Aufgabe des Kompetenzzentrums ist das strategische systematische Innovationsmanagement des Digitalisierungsprozesses in Hessen. Die komplexe Bedarfs-, Akteurs- und Interessensstruktur im hessischen Gesundheitswesen erhöht den Analyse- und Entscheidungsbedarf.

Für den weiteren Gestaltungsprozess sind u. a. folgende Aspekte zu analysieren:

  • Bestand im Bereich Telemedizin und E-Health in Hessen
  • Bedarf, Nachfrage und Relevanz
  • Trägeroptionen und Nachhaltigkeitsmodelle
  • Erfolgsfaktoren und Messgrößen

Darüber hinaus sind in u. a. folgenden Aspekten Entscheidungen zu treffen:

  • zentrale Komponenten auf Landesebene (z. B. Datenbanken und Verzeichnisdienste
    für eine elektronische Patientenakte, die Einsatzplanung für Rettungsdienste,
    Impfdaten der Bevölkerung)
  • Förderung von Bereichen und Projekten
  • Umgang mit bestehenden Lösungen und Ansätzen
  • Erfolgsindikatoren

Innovationsprojekte initiieren und fördern

Das Land Hessen wird zur Stärkung der hessischen Gesundheitsversorgung und -wirtschaft die Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger intra- und intersektoraler Innovationsprojekte in Telemedizin und E-Health fördern.

Maßgebliche Kriterien für Innovationsprojekte sind gesellschaftlicher Bedarf, Nutzen für Patienten und andere Beteiligte, Einbettung in regionale und soziale Strukturen, Nachhaltigkeit, IT-Sicherheits- und Datenschutzkonformität, Verwendung offener, interoperabler Technologien sowie das jeweilige Finanzierungsmodell. Damit Forschungs- und Pilotprojekte den Weg in die breite Praxis und Regelversorgung finden, sind der Transfer – auch in kleine und mittlere Einrichtungen – und die Nachhaltigkeit bereits in der Konzeptionsphase mit zu bedenken.

Modellhaft ist beispielsweise die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in Pflegeheimen im Odenwaldkreis. Ärzte haben hier Regelungen zu Visiten und Notfallversorgung vereinbart und einheitliche Abläufe und Dokumentationen abgestimmt. Über eine Websoftware erfolgen Terminierungen und der Informationsaustausch, auch die Versorgung mit Medikamenten und Heil- und Pflegemitteln wird hierüber gesteuert. Verordnungen können aus der Praxis freigegeben werden. Durch den gemeinsamen Zugriff auf den Medikationsplan können Über- und Fehlmedikationen vermieden werden. Apotheken können nach Absprache Aufgaben bei der Überwachung von Arzneimittelinteraktionen und Nebenwirkungen übernehmen.

Beispielhaft ist auch der webbasierte interdisziplinäre Versorgungsnachweis (IVENA), dessen Einführung vom HMSI unterstützt wird. Über diese Anwendung können sich die Träger der präklinischen und klinischen Patientenversorgung bereits im Rettungswagen in Echtzeit über die aktuellen Behandlungs- und Versorgungsmöglichkeiten und -ressourcen der Krankenhäuser informieren.

Im Rahmen einer LOEWE-Förderung des Landes Hessen wurde an der Technischen Hochschule Mittelhessen ferner mit Partnern ein Selbstmanagementsystem zum Monitoring des Verlaufs chronischer Lungenerkrankungen entwickelt. In Deutschland leiden etwa sieben Millionen Menschen an der unheilbaren Krankheit, die laut WHO die vierthäufigste Todesursache darstellt. LOEWE gefördert wurde auch eine Online-Variante der Kasseler Stottertherapie.

Ein weiteres hessisches Erfolgsmodell ist die telemedizinische Zusammenarbeit des Frankfurter Kranken hauses Nordwest mit dem Jerudong Park Medical Center im Sultanat Brunei. Über eine
dedizierte Internetverbindung besteht rund um die Uhr die Möglichkeit, Patienten in Brunei an der Neurologischen Klinik in Frankfurt telemedizinisch untersuchen zu lassen. Die Befundung sämtlicher neuroradiologischer Untersuchungen erfolgt durch die Abteilung für Neuroradiologie am Krankenhaus Nordwest mit einer gewährleisteten Latenz von maximal 30 Minuten. Zudem wird das Personal in Brunei im Rahmen des telemedizinischen Projektes strukturiert weitergebildet.

An der Universität Marburg wurde eine mobile Applikation zur Therapieoptimierung von Hämophilie-Patienten entwickelt, die das Papiertagebuch ersetzt und zudem die Kommunikation zwischen Arzt und Patient verbessert. Eine weitere zukunftsweisende Innovation ist die Entwicklung des ersten mobilen, für Smartphones und Tablets geeigneten Zwölf-Kanal Elektrokardiographen (EKG) für Patienten mit koronarer Erkrankung. Koronar-Patienten sind oft mit der Frage konfrontiert, ob es notwendig ist, ärztliche Hilfe zu kontaktieren. Doch gerade bei Herzinfarkten geschieht das häufig zu spät, da die Symptome meist diffus sind. Das mobile EKG-Gerät führt eine sofortige und personalisierte Auswertung aus und gibt dem Patienten eine direkte Handlungsempfehlung gemäß kardiologischer Fachgesellschaften. Die dazugehörige App wertet die EKG-Daten autark aus, eine Kontrollmessung benötigt nur eine Minute.

Mobile digitale Technologien fokussieren

Das Land Hessen erkennt in mobilen Informations- und Kommunikationstechnologien und -anwendungen ein besonderes Potenzial für eine hochwertige flächendeckende und patientennahe Gesundheitsversorgung sowie für innovative Produkte, Dienstleistungen und Gründungen (Mobile Health).

Die Nutzung von Smartphones, Tablets oder Wearables als Träger für Telemedizin und E-Health eröffnet der Gesundheitsversorgung in vieler Hinsicht neue Möglichkeiten. Die hohe Verbreitung
und nahezu allgegenwärtige Mitführung mobiler Endgeräte schafft eine hohe Patientennähe und lange Zeitkorridore für Gesundheitsanwendungen im Alltag. Viele Menschen können erstmals ihre eigenen Fitness- und Gesundheitsdaten erheben und auswerten. Ärzte und Kliniken unterstützen mobile Techno logien u. a. durch Erfassung, Verarbeitung und Abruf von Daten. Es entstehen neue medizinische und pflegerische Möglichkeiten in Vorsorge und Rehabilitation, in der Überwachung der Begleitung des Patienten sowie der Förderung gesunder Verhaltensmuster. Mobile Health kann das Arzt-Patienten-Verhältnis vertiefen und die Vorsorge unter Mitwirkung des Patienten in der gesamten medizinischen Versorgung stärken. Dies kommt den Wünschen der Patientenschaft entgegen.

Mit dem Mobile Health Forum (www.mobilehealthforum.eu) hat das HMWEVL gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern und vielen weiteren Partnern einen jährlichen Kongress mit überregionaler Ausstrahlung ins Leben gerufen, um diesen Trend zu fokussieren, die IKT- und die Gesundheitsbranche zusammenzuführen und Impulse für weitere Entwicklungen zu geben.

Akteure und Einrichtungen vernetzen

Das Land Hessen wird die Vernetzung von Akteuren und Einrichtungen im hessischen Gesundheitswesen unterstützen, um Dialog und Kooperation anzuregen.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens geht Hand in Hand mit einer Erweiterung und Weiterentwicklung von Angeboten, Prozessen und Strukturen. Dies ruft den Bedarf nach einem gesellschaftlichen und fachlichen Diskurs hervor. Es ist wichtig, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zusammenzubringen, um Ansätze zu entwickeln, die partnerschaftlich umsetzbar sind.

Für den Auf- und Ausbau von Telemedizin und E-Health in Hessen sind insbesondere die Gesundheits- und die IKT-Branche miteinander zu vernetzen.

Die Technologielinie Hessen-IT, ein Projekt der hessischen Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Hessen Trade & Invest GmbH, fördert seit vielen Jahren den interdisziplinären Austausch durch Internetangebote, Publikationen, Messeaktivitäten – etwa die Ausrichtung von Gemeinschaftsständen auf der „Zukunft Lebensräume“ und der „CeBIT“ – sowie Veranstaltungen wie das Mobile Health Forum und den Healthcaretag. Auch das House of IT ist als Transfer- und Innovationsplattform und als Partner in E-Health-Projekten aktiv. Überdies dienen weitere Institutionen wie das House of Pharma & Healthcare, die Initiative Gesundheitsindustrie Hessen, die Initiative Gesundheitswirtschaft Rhein-Main und das Gesundheitsnetz Rhein-Neckar-Dreieck dem Gesundheitssektor in Hessen.

Das Land Hessen wird zur Unterstützung der Ziele der „E Health-Initiative Hessen“ und des Hessischen Gesundheitspaktes seine Netzwerkaktivitäten verstärken.

Rahmenbedingungen innovationsfreundlich gestalten

Das Land Hessen wird sich zu einem führenden Innovationsstandort für Telemedizin, E-Health und Mobile Health mit internationaler Sichtbarkeit weiterentwickeln, um Innovationen, Investitionen und Gründungen zu fördern. Hierfür werden weitere innovationsfreundliche Rahmenbedingungen geschaffen. Von zentraler Bedeutung sind der Breitbandausbau, das Bildungswesen und die landesrechtliche Regulierung.

Breitbandversorgung: Für eine vertrauenswürdige, flächendeckend digitalisierte Gesundheitsversorgung gelten erhöhte Anforderungen. Krankenhäuser und Arztpraxen benötigen ausreichende Bandbreiten und eine hohe Verfügbarkeit mobiler Datennetze ohne signifikante Abdeckungslücken. Teleoperationen und Telemonitoring erfordern äußerst geringe Latenzzeiten. Das Land Hessen wird seine Breitbandstrategie auf die Anforderungen der Gesundheitswirtschaft ausrichten. Über den flächendeckenden Ausbau der NGA-Netze hinaus wird es ultraschnelle Breitbandanbindungen für Gesundheitseinrichtungen, z. B. Krankenhäuser, priorisieren und auf eine gute mobile Datenversorgung hinwirken.

Bildung: Im digitalisierten Gesundheitswesen kommt dem Faktor Bildung eine entscheidende Rolle zu. Dem Patienten werden bei Anwendungen im Bereich Telemedizin, E-Health und Mobile Health vielfach aktive Aufgaben im Behandlungsprozess übertragen, sodass er über eigene Kenntnisse und Kompetenzen verfügen muss. Schon der Umgang mit Technologien zur Prävention und mit Assistenzsystemen setzt medizintechnisches Anwendungs- und gesundheitliches Hintergrundwissen voraus.

Die Ärzteschaft steht einem wachsenden Angebot digitaler Produkte und Dienstleistungen gegenüber, deren medizinische Wirksamkeit und Vertrauenswürdigkeit nur teilweise in Forschungsprojekten, selten aber in evidenzbasierten Verfahren erwiesen ist. Oft stellen sich auch Fragen hinsichtlich Datenschutz, IT-Sicherheit und Abrechnungsmodalitäten. Es wäre daher förderlich, Telemedizin und E-Health stärker in Fortbildungsangeboten aufzugreifen und diese etablierten Institutionen wie den Landeskammern, Fachgesellschaften, -vereinigungen und vielen weiteren zu unterbreiten.

Rechtliche Rahmenbedingungen: Der rechtliche Rahmen hat einen großen Einfluss im Gesundheitswesen, da er die Handlungsspielräume der Akteure absteckt und begrenzt. Telemedizin und E-Health erweitern das Spektrum der medizinischen und pflegerischen Verfahren. Es ist zu prüfen, ob und wie die bestehende Rechtsordnung sachgerecht weiterzuentwickeln ist.

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Prof. Marquardt
Digitale und mobile Technologien werden die medizinische Versorgungsstruktur revolutionieren. Ambulant, stationär, selbst in Universitätskliniken werden wir uns dieser Entwicklung stellen müssen. Wer sich nicht an die Spitze dieses Technologie-Zuges setzt, dem bleibt im Gesundheitsmarkt nur die Rolle des Zuschauers.

Prof. Dr. Kurt Heinz Marquardt, Rhön-Klinikum AG

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Monika Küchler
Meine Gesundheit ist mir wichtig. Mit smarten Lösungen und meinem Wearable kann ich jederzeit sehen, was ich dafür getan habe.

Monika Küchler, 55 Jahre, Geschäftsführerin BücherTreff Obertshausen