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Energie

Hessen erschließt die Potenziale der Digitalisierung für die Energiewende. Intelligente Stromnetze leisten einen wesentlichen Beitrag für ein auf erneuerbaren Quellen basierendes Energiesystem.
  • Energie

Hessen hat wesentliche Ziele und Maßnahmen im Handlungsfeld Energie in der im Juli 2015 verabschiedeten hessischen Energie-Agenda 2015 definiert. Dieses Landesprogramm gibt Impulse zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Umsetzung der Energiewende. Hierzu zählen unter anderem Beratungsangebote, Zuschüsse zu Energiesparmaßnahmen und Mittel für Forschungsprojekte [1].

Deutschland will im Rahmen der Energiewende den Anteil der regenerativen Energien an der Bruttostromerzeugung von 25,8 Prozent in 2014 auf 40 bis 45 Prozent in 2025 steigern und damit die CO2-Emissionen deutlich verringern. Hessen hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der erneuerbaren Energien beim Stromverbrauch bis 2019 auf nahezu 25 Prozent zu verdoppeln. Langfristig, d.h. bis zum Jahr 2050, sollen erneuerbare Quellen den Strom- und Wärmebedarf vollständig decken.

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Dies erfordert den Umbau der Energienetze hin zu intelligenten Strukturen (Smart Grids) in Kombination mit intelligenten Erzeugern, Speichersystemen und Verbrauchern. Das stellt vor allem die Betreiber regionaler Verteilnetze vor große Herausforderungen.

Zu diesen Herausforderungen zählen:

  • die zunehmende dezentrale und schwankende Erzeugung von regenerativem Strom und dessen Integration in das Gesamtsystem,
  • der fortschreitende Wandel von reinen Stromkonsumenten zu Erzeugern und Nutzern von Strom (sog. Prosumenten), die Strom in eigenen Anlagen (z. B. PV- oder KWK-Anlagen) erzeugen, z. T. zwischenspeichern, selbst verbrauchen oder in das Netz einspeisen,
  • die Ausbreitung von Ladestationen für Elektrofahrzeuge, die ggf. ihrerseits wieder Energie in das Netz zurückführen,
  • die Notwendigkeit neuer IT-Standards für den sicheren Betrieb der intelligenten Stromnetze.

Um die Kosten des Umbaus zu reduzieren, werden neue intelligente Netzwerkelemente integriert. Diese dienen nicht nur zum Netzbetrieb, sondern vor allem auch zur Lastverschiebung in Kooperation mit Großabnehmern aus der Industrie sowie der dezentralen Energie(zwischen- speicherung. Nur mit „smarten“ IKT-Systemen lassen sich die neuen Möglichkeiten der Energiegewinnung und -nutzung über die bestehende Netzinfrastruktur realisieren.

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Maßnahmen zur Zielerreichung

Studie zum Ausbau der regionalen Verteilnetze durchführen

Das Land Hessen lässt zusammen mit den großen hessischen Verteilnetzbetreibern eine Verteilnetzstudie erstellen. Im Vordergrund stehen technische Fragen der Versorgungssicherheit bei einer weiter wachsenden Einspeisung erneuerbarer Energien.

Die Studie lotet Grenzen und Anpassungsoptionen für die Einspeisung erneuerbarer Energien in Verteilnetze aus und entwickelt Vorschläge zur (digitalen) Netzertüchtigung. Ziel ist die konkrete Verwertungsmöglichkeit der Projektergebnisse durch die Verteilnetzbetreiber. So können die ermittelten Effizienzpotenziale direkt im Verteilnetzausbau umgesetzt werden. Die Studie untersucht neben dem konventionellen Netzausbau auch das Potenzial IT-basierter Intelligenz im Hinblick auf zukünftige Anforderungen an das Netz.

Förderung der Forschung und Entwicklung intelligenter Netze

Das Land Hessen fördert innovative Ansätze zur Implementierung und Entwicklung von intelligenten Netzen und der zugehörigen Technologiekomponenten. Diese Projekte werden in Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft durchgeführt. Im Anschluss erfolgt ein Ergebnistransfer an weitere interessierte Stakeholder in Hessen.

Grundlagen dieser Förderung sind das Hessische Energiegesetz, die Innovationsprogramme des Landes (v.a. LOEWE-Förderung) sowie die Energie-Agenda 2015. Aktuelle Beispiele für die in Hessen bereits geförderten Projekte zur Entwicklung der intelligenten Stromnetze sind das SOLVER-Projekt (eine Handelsplattform für Energiespeicher), das ENKA-Projekt (Integration von Energiespeichern in die Quartiersversorgung) sowie das Regio:VK2-Projekt in Nordhessen zum Aufbau und Betrieb eines regionalen virtuellen Kraftwerks.

Die Energie-Agenda 2015 hat weitere 4,8 Mio. Euro für Forschungs- und Pilotprojekte zur Etablierung intelligenter Netze in Hessen bereitgestellt.

Anstoß und Begleitung für ein „Schaufenster intelligente Energie“

Das Land Hessen wird zusammen mit Baden-Württemberg und Bayern Testgebiet für intelligente Stromnetze der Zukunft. Mit einem Gesamtprojektvolumen von 120 Mio. Euro – davon ca. 25 Mio. Euro aus Hessen – werden rund 60 Partner aus Industrie, Energiewirtschaft und Wissenschaft in den nächsten vier Jahren in den drei Bundesländern das Projekt C/sells umsetzen.

C/sells ist vom Bundeswirtschaftsministerium als eins von fünf „Schaufenstern intelligente Energie“ ausgewählt worden. Das Projekt erkundet, wie eine dezentrale, auf erneuerbaren Quellen basierende Energieversorgung großflächig betrieben werden kann. Dabei werden Zellen – von einzelnen Liegenschaften bis hin zu ganzen Städten – gebildet, innerhalb derer Erzeugung, Verteilung und Speicherung möglichst autonom organisiert werden. Aus der Vernetzung dieser Zellen entsteht eine übergeordnete Infrastruktur. Das Projekt sucht nicht nur technische Lösungen, sondern auch Konzepte, wie aus der Energiewende wirtschaftliche Chancen für Bürger und regionale Unternehmen entstehen.

Schon heute gibt es in den drei Bundesländern über 700.000 Haushalte und Unternehmen, die Strom nicht nur verbrauchen, sondern auch selbst erzeugen. Dies bietet sehr gute Voraussetzungen, um neue Kooperationsmodelle zu erproben und weiterzuentwickeln.

Die Aufnahme in das Schaufenster-Programm eröffnet die Aussicht, während der vierjährigen Laufzeit Fördermittel von bis zu 50 Mio. Euro zu erhalten. Zu betonen ist die wirtschaftspolitische Bedeutung des Projektes: Dieses Engagement wird dabei helfen, innovative Unternehmen aus dem Bereich der Energie- und Ressourceneffizienz in Hessen anzusiedeln und mehr Wertschöpfung in diesem Segment in der Region zu verankern.

Aufbau des House of Energy für Entwicklung und Transfer der Energiewende

Im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft unterstützt das Land Hessen den Aufbau eines House of Energy in Nordhessen, das als Plattform für einen Verbund aus Wirtschaftsministerium, hessischen Industrie- und Energieunternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen und anderen Institutionen fungiert. Übergeordnetes Ziel ist es, neben den ökologischen auch die ökonomischen Potenziale der Energiewende und der Energieeffizienztechnologien auszuschöpfen und damit nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern.

Das House of Energy (HoE) stellt eine Plattform dar, auf der die Zusammenarbeit aller relevanten Stake holder der Energiewende organisiert wird. Ziel ist, die Kompetenz Hessens auf diesem Gebiet national und international, auch für die Erschließung von Auslandsmärkten, sichtbar werden zu lassen. Das HoE wird die digitale Transformation des Energiebereichs unterstützen und hierfür eng mit dem House of IT vernetzt.

Ein wichtiges Themengebiet für die Mitglieder des HoE ist die Implementierung und Weiterentwicklung von Technologien zur Nutzung intelligenter Netze sowie zum modellhaften Aufbau einer flexiblen Stromeinspeisung klassischer Kraftwerke in Abhängigkeit von der Einspeisung volatiler Erzeuger wie Windkraft- oder Photovoltaikanlagen. Das HoE gewährleistet dabei eine Vernetzung mit den Partnern des C/sells-Projekts sowie mit weiteren Akteuren der hessischen Energiewirtschaft.

Unterstützung der Flexibilisierung des Strommarktes durch Datenplattform im Energiebereich

Das Land Hessen prüft den Bedarf und die mögliche Unterstützung einer neuen regionalen Datenplattform für die Flexibilisierung des regionalen Strommarktes. Die Idee besteht darin, Daten zu den regionalen Photovoltaik- und Windenergieanlagen sowie Geoinformationen des Landes mit weiteren Daten aus den intelligenten Stromnetzen zu koppeln, um den Wirtschaftsakteuren Investitionen in intelligente Netze und Flexibilitätsmärkte zu erleichtern.

Die Kraftwerks- und Stromnetzbetreiber benötigen bei einer wachsenden Zahl dezentraler Energieerzeuger und den damit verbundenen Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Flexibilisierung von Verbrauch und Erzeugung Zugriff auf eine Fülle von Daten. Ein datengestütztes Management der Energieproduktion bzw. des Energieeinkaufs und des Netzbetriebs bildet die Grundlage für ein sicheres Strommarktdesign der Zukunft.

Nach Ansicht hessischer Energieunternehmen und Verteilnetzbetreiber ist der Aufbau einer regionalen Datenplattform eine sinnvolle Maßnahme zur Unterstützung von Investitionsentscheidungen des Flexibilisierungsmanagements. Der Bedarf und die Notwendigkeit zum Aufbau einer solchen regionalen Datenbank und die mögliche Rolle des Landes werden gemeinsam mit den Akteuren in Hessen geprüft. Hierbei werden auch Fragen zu Standards für Datenformate und Datenübertragung sowie Regelungen zum Datenzugriff beantwortet.

Verbesserung der IT-Sicherheit im Bereich der intelligenten Stromnetze

Das Land Hessen unterstützt die etablierten und neuen Anbieter im Energiesektor mit Best-Practice, Beratung und Vernetzung, die bestmöglichen Sicherheitsstandards auch in dezentralen Stromnetzen einzuhalten.

Mit neuer Leit- und Fernwirktechnik sowie Smart-Meter-Komponenten vermehren sich die möglichen Ansatzpunkte für Angriffe auf regionale Strom- und Gasnetze. Damit ergeben sich neue Herausforderungen für die IT-Sicherheit im Energiemarkt. Diese adressiert der Bund mit dem IT-Sicherheitsgesetz für kritische Infrastrukturen und dem damit verbundenen IT-Sicherheitskatalog der Bundesnetzagentur für Strom- und Gasnetzbetreiber. Diese Vorgaben und Standards müssen viele kleinere Marktakteure vor allem aus dem Bereich der Energiehändler und virtuellen Kraftwerke erst noch umsetzen. Die Verabschiedung des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende beschleunigt die Digitalisierung der Branche und erhöht den Handlungsdruck im Bereich der IT-Sicherheit.

Aus diesem Grund prüft das Land die Entwicklung einer Plattform, auf der Best-Practice-Beispiele zur Implementierung von IT-Sicherheit bei Monitoring und Steuerung intelligenter Stromnetze und virtueller Kraftwerke sowie die Umsetzung unterschiedlicher Anforderungen durch Gesetzgeber (BMWi, BSI) den Übertragungsnetzbetreibern präsentiert werden können. Ziel ist es, den Know-how- Transfer zu beschleunigen.

Darüber hinaus treibt das Land die Vernetzung der Akteure im hessischen Energiemarkt mit Vertretern der IT-Sicherheits-Branche in Hessen wie dem Center for Advanced Security Research (CASED) und dem House of IT voran. Zudem prüft das Land, inwieweit eine engere Verzahnung zwischen dem CERT (Computer Emergency Response Team) und der Energiebranche realisiert werden kann.

Start-up-Förderung im Bereich E-Energy

Mit dem neuen Gründer-Wettbewerb „Energy4Life“ unterstützt das Land Hessen junge Start-ups im Energiesektor bei der Umsetzung ihrer Geschäftsideen. Die Start-ups bekommen Unternehmensberater und erfahrene Praktiker an ihre Seite. Das Land finanziert diese Beratung mit insgesamt 400.000 Euro in vier Jahren.

Der Energiesektor erlebt durch die vielfältigen Möglichkeiten der dezentralen intelligenten Energieerzeugung und des intelligenten Verbrauchs eine Gründerwelle. Hessen will dieses Potenzial nutzen und Gründer mit innovativen Produkten durch Coaching, Preisgelder und Vernetzung unterstützen.

Analog zum bereits etablierten Gründerwettbewerb „Science4Life“ wird das Land Hessen zusammen mit Hochschulen und Industrieunternehmen den Gründerwettbewerb „Energy4Life“ initiieren.

In einem mehrstufigen Verfahren werden ab 2016 erfolgreiche Teilnehmer von Experten in Konzeption und Businessplanung unterstützt. Gleichzeitig erhalten die Teilnehmer im Rahmen des Wettbewerbs Kontakte zur etablierten Energieunternehmen und möglichen Investoren.

Verbesserung der Aus- und Weiterbildung im Bereich der Energiewende

Das Land Hessen treibt die Aus- und Weiterbildung von Energietechnikern auf allen Ebenen voran, damit hessischen Unternehmen genügend qualifiziertes Personal für das Management der Energiewende zur Verfügung steht.


Qualifizierte Nachwuchskräfte und Facharbeiter für die Erfordernisse künftiger Energienetze und spezieller Teilaspekte (u. a. Energierecht, IT, Sicherheit, Netzwerktechnik) sind derzeit nur begrenzt verfügbar.

Die Personal- und Qualifizierungsbedarfe der Teilbranchen Energieproduzenten, Handwerk sowie Planung, Beratung und Vermittlung in der beruflichen Aus- und Weiterbildung wurden bereits 2014 in einer Studie des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung zusammen mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration erhoben.

Der Abschlussbericht „Energiesektor und Energiewende in Hessen – Qualifikationsanforderungen und Fachkräftebedarfe“ [2] hat zahlreiche Handlungsempfehlungen für Aus- und Weiterbildung gegeben, deren Umsetzung derzeit zwischen den Ressorts abgestimmt wird.

Hierzu gehören u. a. Maßnahmen

  • zur Weiterentwicklung gezielter Beratungs- und Begleitstrukturen
    für Betriebe und Auszubildende,
  • zur Anpassung der Ausbildungsgänge an die aktuellen Marktanforderungen auf Bundesebene,
  • zur Information über duale Berufsausbildungsmöglichkeiten inkl. des dualen Studiums im Energiesektor,
  • zur Ergänzung bestehender Studiengänge um spezifische Module zur Funktionsweise des Energiemarktes und der Energietechnik sowie
  • zum Aufbau von Kompetenznetzwerken im Bereich dezentraler Energietechnologien.
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Hessen erschließt die Potenziale der Digitalisierung für die Energieeffizienz von Unternehmen und Privathaushalten.

Ein effizienter Einsatz von Green-IT zur Verringerung des Energieverbrauchs und zur Vermeidung von CO2-Emissionen wird in Rechenzentren v.a. durch die energieeffiziente Kühlung von Serverräumen und in Bürogebäuden durch die automatisierte Energiesteuerung großflächig vernetzter Arbeitsumgebungen erreicht.

Im produzierenden Gewerbe steigern digital gestützte Automatisierungs-, Antriebs- und Energiemanagement-Systeme die Umweltfreundlichkeit und Kosteneffizienz.

In Wohngebäuden senken neben grundlegenden Sanierungsmaßnahmen (Wärmedämmung) und dem Einbau moderner Heizanlagen eine IKT-gestützte Gebäudeautomatisierung sowie Monitoring und Fernwartung der Heizanlagen den Energiebedarf.

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Maßnahme zur Zielerreichung

Studie zum Ausbau der regionalen Verteilnetze durchführen

Das Land Hessen lässt zusammen mit den großen hessischen Verteilnetzbetreibern eine Verteilnetzstudie erstellen. Im Vordergrund stehen technische Fragen der Versorgungssicherheit bei einer weiter wachsenden Einspeisung erneuerbarer Energien.

Die Studie lotet Grenzen und Anpassungsoptionen für die Einspeisung erneuerbarer Energien in Verteilnetze aus und entwickelt Vorschläge zur (digitalen) Netzertüchtigung. Ziel ist die konkrete Verwertungsmöglichkeit der Projektergebnisse durch die Verteilnetzbetreiber. So können die ermittelten Effizienzpotenziale direkt im Verteilnetzausbau umgesetzt werden. Die Studie untersucht neben dem konventionellen Netzausbau auch das Potenzial IT-basierter Intelligenz im Hinblick auf zukünftige Anforderungen an das Netz.

Förderung der Forschung und Entwicklung intelligenter Netze

Das Land Hessen fördert innovative Ansätze zur Implementierung und Entwicklung von intelligenten Netzen und der zugehörigen Technologiekomponenten. Diese Projekte werden in Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft durchgeführt. Im Anschluss erfolgt ein Ergebnistransfer an weitere interessierte Stakeholder in Hessen.

Grundlagen dieser Förderung sind das Hessische Energiegesetz, die Innovationsprogramme des Landes (v.a. LOEWE-Förderung) sowie die Energie-Agenda 2015. Aktuelle Beispiele für die in Hessen bereits geförderten Projekte zur Entwicklung der intelligenten Stromnetze sind das SOLVER-Projekt (eine Handelsplattform für Energiespeicher), das ENKA-Projekt (Integration von Energiespeichern in die Quartiersversorgung) sowie das Regio:VK2-Projekt in Nordhessen zum Aufbau und Betrieb eines regionalen virtuellen Kraftwerks.

Die Energie-Agenda 2015 hat weitere 4,8 Mio. Euro für Forschungs- und Pilotprojekte zur Etablierung intelligenter Netze in Hessen bereitgestellt.

Anstoß und Begleitung für ein „Schaufenster intelligente Energie“

Das Land Hessen wird zusammen mit Baden-Württemberg und Bayern Testgebiet für intelligente Stromnetze der Zukunft. Mit einem Gesamtprojektvolumen von 120 Mio. Euro – davon ca. 25 Mio. Euro aus Hessen – werden rund 60 Partner aus Industrie, Energiewirtschaft und Wissenschaft in den nächsten vier Jahren in den drei Bundesländern das Projekt C/sells umsetzen.

C/sells ist vom Bundeswirtschaftsministerium als eins von fünf „Schaufenstern intelligente Energie“ ausgewählt worden. Das Projekt erkundet, wie eine dezentrale, auf erneuerbaren Quellen basierende Energieversorgung großflächig betrieben werden kann. Dabei werden Zellen – von einzelnen Liegenschaften bis hin zu ganzen Städten – gebildet, innerhalb derer Erzeugung, Verteilung und Speicherung möglichst autonom organisiert werden. Aus der Vernetzung dieser Zellen entsteht eine übergeordnete Infrastruktur. Das Projekt sucht nicht nur technische Lösungen, sondern auch Konzepte, wie aus der Energiewende wirtschaftliche Chancen für Bürger und regionale Unternehmen entstehen.

Schon heute gibt es in den drei Bundesländern über 700.000 Haushalte und Unternehmen, die Strom nicht nur verbrauchen, sondern auch selbst erzeugen. Dies bietet sehr gute Voraussetzungen, um neue Kooperationsmodelle zu erproben und weiterzuentwickeln.

Die Aufnahme in das Schaufenster-Programm eröffnet die Aussicht, während der vierjährigen Laufzeit Fördermittel von bis zu 50 Mio. Euro zu erhalten. Zu betonen ist die wirtschaftspolitische Bedeutung des Projektes: Dieses Engagement wird dabei helfen, innovative Unternehmen aus dem Bereich der Energie- und Ressourceneffizienz in Hessen anzusiedeln und mehr Wertschöpfung in diesem Segment in der Region zu verankern.

Aufbau des House of Energy für Entwicklung und Transfer der Energiewende

Im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft unterstützt das Land Hessen den Aufbau eines House of Energy in Nordhessen, das als Plattform für einen Verbund aus Wirtschaftsministerium, hessischen Industrie- und Energieunternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen und anderen Institutionen fungiert. Übergeordnetes Ziel ist es, neben den ökologischen auch die ökonomischen Potenziale der Energiewende und der Energieeffizienztechnologien auszuschöpfen und damit nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern.

Das House of Energy (HoE) stellt eine Plattform dar, auf der die Zusammenarbeit aller relevanten Stake holder der Energiewende organisiert wird. Ziel ist, die Kompetenz Hessens auf diesem Gebiet national und international, auch für die Erschließung von Auslandsmärkten, sichtbar werden zu lassen. Das HoE wird die digitale Transformation des Energiebereichs unterstützen und hierfür eng mit dem House of IT vernetzt.

Ein wichtiges Themengebiet für die Mitglieder des HoE ist die Implementierung und Weiterentwicklung von Technologien zur Nutzung intelligenter Netze sowie zum modellhaften Aufbau einer flexiblen Stromeinspeisung klassischer Kraftwerke in Abhängigkeit von der Einspeisung volatiler Erzeuger wie Windkraft- oder Photovoltaikanlagen. Das HoE gewährleistet dabei eine Vernetzung mit den Partnern des C/sells-Projekts sowie mit weiteren Akteuren der hessischen Energiewirtschaft.

Unterstützung der Flexibilisierung des Strommarktes durch Datenplattform im Energiebereich

Das Land Hessen prüft den Bedarf und die mögliche Unterstützung einer neuen regionalen Datenplattform für die Flexibilisierung des regionalen Strommarktes. Die Idee besteht darin, Daten zu den regionalen Photovoltaik- und Windenergieanlagen sowie Geoinformationen des Landes mit weiteren Daten aus den intelligenten Stromnetzen zu koppeln, um den Wirtschaftsakteuren Investitionen in intelligente Netze und Flexibilitätsmärkte zu erleichtern.

Die Kraftwerks- und Stromnetzbetreiber benötigen bei einer wachsenden Zahl dezentraler Energieerzeuger und den damit verbundenen Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Flexibilisierung von Verbrauch und Erzeugung Zugriff auf eine Fülle von Daten. Ein datengestütztes Management der Energieproduktion bzw. des Energieeinkaufs und des Netzbetriebs bildet die Grundlage für ein sicheres Strommarktdesign der Zukunft.

Nach Ansicht hessischer Energieunternehmen und Verteilnetzbetreiber ist der Aufbau einer regionalen Datenplattform eine sinnvolle Maßnahme zur Unterstützung von Investitionsentscheidungen des Flexibilisierungsmanagements. Der Bedarf und die Notwendigkeit zum Aufbau einer solchen regionalen Datenbank und die mögliche Rolle des Landes werden gemeinsam mit den Akteuren in Hessen geprüft. Hierbei werden auch Fragen zu Standards für Datenformate und Datenübertragung sowie Regelungen zum Datenzugriff beantwortet.

Verbesserung der IT-Sicherheit im Bereich der intelligenten Stromnetze

Das Land Hessen unterstützt die etablierten und neuen Anbieter im Energiesektor mit Best-Practice, Beratung und Vernetzung, die bestmöglichen Sicherheitsstandards auch in dezentralen Stromnetzen einzuhalten.

Mit neuer Leit- und Fernwirktechnik sowie Smart-Meter-Komponenten vermehren sich die möglichen Ansatzpunkte für Angriffe auf regionale Strom- und Gasnetze. Damit ergeben sich neue Herausforderungen für die IT-Sicherheit im Energiemarkt. Diese adressiert der Bund mit dem IT-Sicherheitsgesetz für kritische Infrastrukturen und dem damit verbundenen IT-Sicherheitskatalog der Bundesnetzagentur für Strom- und Gasnetzbetreiber. Diese Vorgaben und Standards müssen viele kleinere Marktakteure vor allem aus dem Bereich der Energiehändler und virtuellen Kraftwerke erst noch umsetzen. Die Verabschiedung des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende beschleunigt die Digitalisierung der Branche und erhöht den Handlungsdruck im Bereich der IT-Sicherheit.

Aus diesem Grund prüft das Land die Entwicklung einer Plattform, auf der Best-Practice-Beispiele zur Implementierung von IT-Sicherheit bei Monitoring und Steuerung intelligenter Stromnetze und virtueller Kraftwerke sowie die Umsetzung unterschiedlicher Anforderungen durch Gesetzgeber (BMWi, BSI) den Übertragungsnetzbetreibern präsentiert werden können. Ziel ist es, den Know-how- Transfer zu beschleunigen.

Darüber hinaus treibt das Land die Vernetzung der Akteure im hessischen Energiemarkt mit Vertretern der IT-Sicherheits-Branche in Hessen wie dem Center for Advanced Security Research (CASED) und dem House of IT voran. Zudem prüft das Land, inwieweit eine engere Verzahnung zwischen dem CERT (Computer Emergency Response Team) und der Energiebranche realisiert werden kann.

Start-up-Förderung im Bereich E-Energy

Mit dem neuen Gründer-Wettbewerb „Energy4Life“ unterstützt das Land Hessen junge Start-ups im Energiesektor bei der Umsetzung ihrer Geschäftsideen. Die Start-ups bekommen Unternehmensberater und erfahrene Praktiker an ihre Seite. Das Land finanziert diese Beratung mit insgesamt 400.000 Euro in vier Jahren.

Der Energiesektor erlebt durch die vielfältigen Möglichkeiten der dezentralen intelligenten Energieerzeugung und des intelligenten Verbrauchs eine Gründerwelle. Hessen will dieses Potenzial nutzen und Gründer mit innovativen Produkten durch Coaching, Preisgelder und Vernetzung unterstützen.

Analog zum bereits etablierten Gründerwettbewerb „Science4Life“ wird das Land Hessen zusammen mit Hochschulen und Industrieunternehmen den Gründerwettbewerb „Energy4Life“ initiieren.

In einem mehrstufigen Verfahren werden ab 2016 erfolgreiche Teilnehmer von Experten in Konzeption und Businessplanung unterstützt. Gleichzeitig erhalten die Teilnehmer im Rahmen des Wettbewerbs Kontakte zur etablierten Energieunternehmen und möglichen Investoren.

Verbesserung der Aus- und Weiterbildung im Bereich der Energiewende

Das Land Hessen treibt die Aus- und Weiterbildung von Energietechnikern auf allen Ebenen voran, damit hessischen Unternehmen genügend qualifiziertes Personal für das Management der Energiewende zur Verfügung steht.


Qualifizierte Nachwuchskräfte und Facharbeiter für die Erfordernisse künftiger Energienetze und spezieller Teilaspekte (u. a. Energierecht, IT, Sicherheit, Netzwerktechnik) sind derzeit nur begrenzt verfügbar.

Die Personal- und Qualifizierungsbedarfe der Teilbranchen Energieproduzenten, Handwerk sowie Planung, Beratung und Vermittlung in der beruflichen Aus- und Weiterbildung wurden bereits 2014 in einer Studie des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung zusammen mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration erhoben.

Der Abschlussbericht „Energiesektor und Energiewende in Hessen – Qualifikationsanforderungen und Fachkräftebedarfe“ [2] hat zahlreiche Handlungsempfehlungen für Aus- und Weiterbildung gegeben, deren Umsetzung derzeit zwischen den Ressorts abgestimmt wird.

Hierzu gehören u. a. Maßnahmen

  • zur Weiterentwicklung gezielter Beratungs- und Begleitstrukturen
    für Betriebe und Auszubildende,
  • zur Anpassung der Ausbildungsgänge an die aktuellen Marktanforderungen auf Bundesebene,
  • zur Information über duale Berufsausbildungsmöglichkeiten inkl. des dualen Studiums im Energiesektor,
  • zur Ergänzung bestehender Studiengänge um spezifische Module zur Funktionsweise des Energiemarktes und der Energietechnik sowie
  • zum Aufbau von Kompetenznetzwerken im Bereich dezentraler Energietechnologien.
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Dr. Wolff-Hertwig
Durch den steigenden Anteil der volatilen erneuerbaren Energien und die rasant anwachsende Zahl von Akteuren wird das Energiesystem immer komplexer. Die zentrale Herausforderung ist, den aktuellen Zustand des Systems transparent zu halten und es in die Lage zu versetzen, weiter koordiniert Erzeugung und Nachfrage in ein Gleichgewicht zu bringen. Eine konsequente Digitalisierung ist dafür wesentliche Voraussetzung und eröffnet Chancen für innovative Geschäftsmodelle.

Dr. Marie-Luise Wolff, Entega